Sonja Neuhaus
Wege in die Lebendigkeit
Praxis – Institut

 

Das erste Jahr

das erste Jahr 1

Stufe 1 des Lebensintegrationsprozess nach Wilfried Nelles

In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit den jeweiligen Bewusstseinsstufen des Menschen nach Wilfried Nelles (sh. hierzu auch meinen Blogbeitrag Lebensintegrationsprozess (LIP)).

In diesen Beitrag möchte ich mich mit der Stufe 1 – die Zeit im Mutterleib und das erste Jahr – beschäftigen.

Da sich meines Erachtens gerade in diesen beiden Jahren – also von der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle bis hin zum 1. Geburtstag – so viel ereignet, teile ich den Beitrag in zwei Teile:

Teil 1 beschäftigt sich mit der Zeit im Mutterleib

Teil 2 mit dem kompletten ersten Jahr.

Hier nun Teil 2 Unser erstes Jahr:

Das erste Jahr ist für das Baby die Neuankunft in einer komplett neuen Welt. Fast ein Jahr ist es im Mutterleib herangewachsen, war eingebettet in warmes Wasser und ein Schwingungsfeld. Hatte es Hunger, wurde dieser gestillt – alles war immer direkt vorhanden.

Die Geburt markiert hier den wesentlichen Bruch zwischen der Zeit im Mutterleib und dem Beginn außerhalb.

Gibt es keinen geplanten Kaiserschnitt, so bestimmt das Leben selbst, wann es Zeit für die Geburt ist. Es passiert Mutter und Kind „einfach“.

Danach ist für das Kind erst einmal nichts mehr wie vorher. Alles ist fremd, fühlt sich anders an und plötzlich muss man sich verständlich machen, mit dem was man will.

Das einzig vertraute in dieser Zeit ist die Mutter selbst.

Diese erkennt der Säugling am Geruch, an der Stimme und auch an dem Resonanzfeld, mit dem es bereits im Mutterleib in Kontakt getreten ist.

Hier zeigen sich dann auch bereits Eigenheiten des kleinen Menschen. Manche brauchen im ersten Jahr die Mutter permanent, um sich sicher und geborgen zu fühlen und schon der Arm des Vaters stellt eine Herausforderung dar. Und andere sind da offener und lassen sich auch gerne von anderen Personen diese neue, aufregende Welt da draußen zeigen.

Gerade im ersten Jahr geschieht viel was uns später durch das Leben begleiten wird.

Wie verlässlich wurde ich in meinen Bedürfnissen gestillt?

Wie erfuhr ich Geborgenheit? Gab es für mich Sicherheit in der Bindung zu meinen Eltern?

Um uns das rückblickend einmal vorzustellen:

Wir werden ausgesetzt in einem uns komplett fremden Land. Wir können die Sprache weder verstehen noch können wir deren Laute sprechen. Wir sind darauf angewiesen, dass uns unsere Umgebung einen sicheren Schlafplatz gibt, Essen, Trinken und uns bei unserer Notdurft hilft. Ohne unsere Umgebung sind wir komplett hilflos und fühlen uns allein und verlassen.

So kann man sich als heute Erwachsener die Welt eines frisch auf die Welt gekommenen kleinen Menschen vorstellen.

Vielleicht ahnt ein jeder da, was für eine enorme Leistung dort im ersten Jahr passiert.

Ich könnte noch tiefer eintauchen in die Welt des ersten Jahres, möchte aber lieber deine Fantasie anregen, dich in einen stillen Moment einmal ganz und gar in dieses Bild einzulassen.

Was für Gefühle kommen da in dir hoch? Was für Gedanken?

Was macht in diesem Bild das Wort „Ur-Vertrauen“ mit dir?

Lass das was da in dir auftaucht, einfach da sein, ohne Bewertung, einfach als Bild, als Gefühl, als Gedanke und schau was es mit dir macht.

Und zu guter Letzt:

Auch wenn es schwerfällt, wenn in deinem Umkreis so ein süßer kleiner Erdenbürger neu auf diese Welt gekommen ist, vielleicht erinnerst du dich an dieses Bild der fremden Welt und deine eigenen Gedanken und Gefühle…

Vielleicht näherst du dich diesem kleinen Menschlein mit Ruhe und offenen Herzen und sanfter Kontaktaufnahme, so dass es Zeit hat, in seinem eigenen Tempo diese verrückte, chaotische und wundersame Welt zu entdecken.