Sonja Neuhaus
Wege in die Lebendigkeit
Praxis – Institut

 

Die Zeit im Mutterleib

Mutterleib 2

Stufe 1 des Lebensintegrationsprozess nach Wilfried Nelles

In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit den jeweiligen Bewusstseinsstufen des Menschen nach Wilfried Nelles (sh. hierzu auch meinen Blogbeitrag über den Lebensintegrationsprozess (LIP)).

In diesen Beitrag möchte ich mich mit der Stufe 1 – die Zeit im Mutterleib und das erste Jahr – beschäftigen.

Da sich meines Erachtens gerade in diesen beiden Jahren – also von der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle bis hin zum 1. Geburtstag – soviel ereignet, teile ich den Beitrag in zwei Teile:

Teil 1 beschäftigt sich mit der Zeit im Mutterleib

Teil 2 mit dem kompletten ersten Jahr.

Dies ist der erste Teil - die Zeit im Mutterleib:

Wir sind eingebettet in den Mutterleib. Es ist anfangs unsere ganze Welt. Hier entstehen wir, wachsen und entwickeln uns, bis es Zeit ist, diese Welt über den Geburtsvorgang zu verlassen.

Aber noch ist es nicht soweit.

Erst einmal hat es eine Samenzelle von Zigtausend geschafft, Einlass in die Eizelle zu erhalten. Sie verschmelzen miteinander und der Teilungsprozess – die Entstehung des Menschen – beginnt.

Schon in diesem Moment ist alles vorhanden und angelegt, was wir einmal werden. Ob männlich, weiblich, ob hell- oder dunkelhäutig – alles in unserer äußeren Erscheinungsform ist bereits gespeichert und beginnt sich nach dieser inneren Formel zu entwickeln.

Etwas anderes ist auch bereits angelegt. Das sogenannte innere Potential – das was ich aus uns heraus entfalten will – ist ebenfalls – noch komplett unbeeinflusst – in uns angelegt.

Das in der Frau angelegte Leben ist ganz auf Wachstum und Entfaltung programmiert.

Im Mutterleib sind wir eingebunden in diese Welt und wir wissen nicht, dass diese Welt der Bauch unserer Mutter ist. Wir schwingen mit ihr mit. Spüren ihre Resonanz und nehmen diese als unsere wahr. Wir können ihre Welt und unsere Welt nicht voneinander unterscheiden. Sie sind eins.

Wir befinden uns hier im symbiotischen Einheitsbewusstsein mit unserer Mutter.

Das erste was wir von unserer Welt wahrnehmen ist das Spüren.

Mit den modernen Techniken der Wissenschaft ist daher auch die verborgene Zeit im Mutterleib nicht mehr verborgen, sondern weitestgehend durchleuchtet worden.

Heute wissen wir, dass das Kind im Mutterleib alles spürt was seine Mutter in der Zeit der Schwangerschaft durchlebt.

Ihre Freude und Glück genauso wie Ängste, Wut, Sorgen und auch Unsicherheiten.

Allerdings haben wir daran kein kognitives Erinnern wie später aus der Kindheit und Jugend.

Aber es gibt einen, der sich an alles aus dieser Zeit erinnert und das ist unser Körper.

In seinem Körpergedächtnis – in seinen Zellen – ist alles aus dieser Zeit abgespeichert.

So hat man auch feststellen können, dass im Falle einer Abtreibung der Embryo vor der einstechenden Nadel versucht zu „fliehen“. In den Fällen wo eine Abtreibung misslungen ist (aus Sicht der Ärzte und der Frau), zeigt sich später in Aufstellungen, dass sich diese Erfahrung in das Leben dieses überlebenden Embryos - also dem erwachsenden Menschen – eingebrannt hat.

Wie sich das im äußeren Leben zeigt, ist ganz individuell. Dies kann von einer besonderen Durchsetzungskraft und Härte bis zu einem ständig schwankenden Lebensgefühl alles beinhalten.

Dies ist nun ein sehr extremes Beispiel an Erfahrungen, die ein Mensch im Mutterleib erleben kann.

Vermeintlich harmloser scheint die Erfahrung zu sein, wenn sich Eltern ein anderes Geschlecht wünschen als das mit dem das Baby zur Welt kommt.

Auch hier zeigt sich im Lebenslauf der Menschen, dass es zu Irritationen mit dem eigenen Geschlecht kommen kann, da sich der Wunsch der Eltern (oder auch nur eines Elternteiles) mit der Wirklichkeit nicht deckt.

Wenn es für die Mutter nicht möglich war, die Schwangerschaft zu zeigen und sie sie also möglichst lange versteckt hielt (weite Kleidung, Bauch wegbinden u.ä.), so spürt auch das der Mensch, der in ihr wächst und verhält sich entsprechend.

Entsprechend bedeutet in diesem Fall, dass sich der Embryo im Bauch besonders ruhig verhält, wenig strampelt und wenig Kontaktaufnahme zeigt.

Diese Erfahrung kann im späteren Verlauf des Lebens dazu führen, dass dieser Mensch besonders ruhig und besonnen durch sein Leben geht und oft ist hier das Problem, dass die Lebendigkeit des eigenen Lebens nicht besonders gespürt wird.

In allen benannten Beispielen (und es gibt natürlich noch viele andere) zeigt sich in der Arbeit etwas ganz Deutliches:

Öffnet sich der Klient im Prozess für diesen ersten Teil seiner Entstehung und nimmt den Schmerz darüber, dass es so gewesen ist, in sich auf und fühlt ihn ganz, dann gibt es eine große Entspannung, die auch körperlich gefühlt wird.

Dies läutet einen Veränderungsprozess ein, wie auch die damit gewonnene Erkenntnis:

Das Leben hat mich so gewollt wie ich geboren wurde.

Darin steckt eine besondere Kraft und es berührt mich immer wieder, bei diesem Prozess die Begleiterin zu sein.