Sonja Neuhaus
Wege in die Lebendigkeit
Praxis – Institut

 

Denkmuster

personlicher Einblick 1

Diese Woche habe ich viel über Denkmuster geschrieben.

Heute möchte ich daher einen persönlichen Einblick geben.

Ich bin das dritte Kind meiner Eltern – die zweite Tochter. Ich habe also noch einen 8 Jahre älteren Bruder und hatte eine 11 Jahre ältere Schwester.

Meine Schwester verstarb im Alter von 9 Jahren an einer Routineoperation. Zurück blieben meine Eltern und mein Bruder. Ein super Gau – ein Bruch in ihrem Leben.

Zwei Jahre nach dem Tod meiner Schwester schenkte meine Mutter mir das Leben.

Es gab für meine Familie immer ein Davor und Danach. Für mich nicht – ich komme erst im Danach vor.

Das war kein bewusstes Ausgrenzen meiner Person, sondern einfach eine Tatsache, dass das Leben es so „gemacht“ hatte.

Ich habe lange Zeit das Gefühl gehabt, ich gehöre nicht richtig dazu. Dies wirkte sich auch auf Freundschaften und Gruppensituationen aus.

Es fehlte mir unbewusst immer etwas.

Durch dieses Erleben hat mein Hirn mir fortwährend genau diese Bilder geliefert, so dass ich immer wieder Situationen mit Menschen genau nach diesem Schema für mich erlebte.

Dann kam meine Ausbildung in phänomenologischer Psychologie und das Erleben des Lebensintegrationsprozess.

Hier sah ich erst was es für mich bedeutete, dass ich „nur“ im Danach vorkam. Dass es natürlich immer für meine Familie ein Davor geben würde, mit dem ich keine Gemeinsamkeit haben würde – egal wie sehr sie sich für mich öffnen würden.

Dieser tief in mir vergrabene Schmerz darüber durfte langsam an die Oberfläche kommen und veränderte nicht nur meinen Blick zu meiner Familie, sondern auch eben meinen Filter im Denken.

Es brauchte ein wenig Zeit, Muße, eigenes Verständnis mit mir und viel Geduld bis ich meine Muster im Leben in Beziehungen zu anderen Menschen und in Gruppensituationen sehen konnte und sie dann Schritt für Schritt aufgelöst werden konnten.

Heute kommt es nur noch selten vor, dass ich mich nicht ganz dazu gehörig fühle. Wenn ich das dann spüre, dann nehme ich mir für mich Zeit, um zu schauen, was bei mir gerade los ist. Damit entspannt es sich wieder.

Ich bin froh, dass Frieden in mir eingekehrt ist und mein Gehirn nun andere 40 Impulse in meine Wahrnehmung speist.