Sonja Neuhaus
Wege in die Lebendigkeit
Praxis – Institut

 

Ohne Hoffnung stirbt das Leben...

Die meisten Menschen sagen, dass ohne die Liebe die Welt trostlos wäre und die Liebe alles zusammen hält. Das ist richtig. Doch hat die Liebe eine Schwester, ohne die auch die Liebe nicht durch das Leben gehen kann.

Diese Schwester ist die Hoffnung.

Hoffnung trägt uns durch das Leben. Mit Hoffnung beginnt sogar das Leben. In dem Moment, wenn sich Ei- und Samenzelle in der Frau verschmelzen und ein neues Leben heranwächst, ist die Frau in guter Hoffnung. Trotz des bisherigen medizinischen Fortschritts bleibt den werdenen Eltern nur die Hoffnung,

dass die Schwangerschaft gut verläuft, die Frau während dieser Zeit gesund bleibt und somit ein gutes Haus für das in ihr wachsende Kind ist.

Auch bei der Geburt kann immer noch viel schief gehen. Wenn wir nicht auf einen guten Ausgang - sprich Mutter und Kind sind wohl auf - hoffen könnten, würden sich wahrscheinlich viele Frauen garnicht mehr auf eine Schwangerschaft und Geburt einlassen. Die Angst würde uns auffressen. Die Hoffnung fängt diese Angst auf.

Und auch danach geht es nur mit Hoffnung durch das Leben. Die Hoffnung darauf, dass unser Kind wie auch wir selbst gut durch das Leben gehen. Was auch immer gut heißen soll. Auch hier können wir noch so gut alles planen, abwägen, versichern, um möglichst risikofrei durch das Leben zu gehen. Ohne die Hoffnung ist dies nicht möglich. Haben wir keine Hoffnung mehr, dann beginnt die Lebendigkeit abzusterben und in der Regel endet das Leben damit auch. Meist durch die eigene Hand. Die Liebe mag es bei diesen Menschen dann immer noch geben, aber die Hoffnung, die Dunkelheit zu überwinden, die immer schneller verändernde Welt zu begreifen oder die finanzielle Last in einer immer mehr aufbrechenden Schere zwischen Arm und Reich zu Schultern, ist bei ihnen gestorben. Damit geht auch die Kraft im und für das Leben verloren.

Was bleibt uns? Und was kann ich tun? Wie kann ich die Hoffnung am Leben erhalten oder gar wieder finden, wenn ich sie verloren habe.

"Tun" kann ich garnichts. "Festhalten" kann ich die Hoffnung auch nicht. Was aber dann?

Ich kann auf mein bisheriges Leben schauen. Wie es mich bis hierher getragen hat. Mich selbst als besten Freund / beste Freundin betrachten und auch so mit mir umgehen. Denn mit mir selbst bin ich bis zum letzten Atemzug zusammen. 

Hoffnung hat neben der Liebe noch einen weiteren Partner. Und das ist das Vertrauen. Auch hier tun sich viele Menschen schwer. Ich denke, jeder ist in seinem Leben schon viele Male im Vertrauen zu anderen Menschen enttäuscht worden. Das ist schmerzhaft, aber im Umgang mit anderen Menschen nicht auszuschließen. Auf Grund dieser Erfahrungen verlieren viele allerdings das Vertrauen und verschließen sich. 

Und auch hier ist wieder der Blick auf mich selbst zu wenden. Ich kann mir vertrauen. Das ist ein erster Schritt. Das heißt nicht, dass ich mich von allen Menschen abwende und mich nur noch mir selbst zu wende.

In dem sich selbst zuwenden als beste Freundin / bester Freund, begegne ich mir in Liebe und im Vertrauen. Aus dieser Vereinigung wächst eine neue Pflanze der Hoffnung.

Wenn ich meinen eigenen Grundboden aus Liebe und Vertrauen hege und pflege, wird die Hoffnung gut wachsen können. So kann ich mich immer wieder aufs Neue, den Turbulenzen, die das Leben für mich bereit hält, hingeben und bleibe damit bis zum letzten Atemzug lebendig.